Der persönliche Jahresrückblick

Es ist Mittwoch, der 1.1.2020. Während ich hier schreibe, werden die Fotos vom Congress exportiert und aus meiner Anlage böllert der Tasmo Mix, welcher auf dem 35C3 bei der Uptime-Bar gespielt wurde. Das Zimmer wird sanft beleuchtet und auf dem Tisch steht eine Mate. Gestern war ich im ACME Labs, um den Wahnsinn von Silvester nicht alleine ertragen zu müssen. Bei guter veganen/vegvegetarischen Küche und Talks schauen, schlossen wir das Jahr ab und ich konnte endlich meinen verlorenen Schlaf finden.

2019 war ein sehr wildes Jahr für mich. Zuerst war da der Verlust meiner Erwerbsarbeit. Dann kam es noch zu einem Rechtsstreit. Währenddessen durfte ich mir von der Agentur für Arbeit in Wetzlar anhören, dass in der IT niemand benötigt wird und sich das ganze eh nicht durchsetzen wird, weswegen mir eine Umschulung nicht zugesprochen wurde. Stattdessen sollte ich doch im Einzelhandel arbeiten, da dies stabile Jobs seien. Dass sich die Agentur für Arbeit mal wieder und wie immer geirrt hat, steht außer Frage. Während der GPN19 war ich bereits bei meiner Wohnungssuche, bezüglich meinem neuen Job als Linux System Administrator. Apropo GPN19, diese war ebenfalls sehr lohnenswert. Neue Kontakte wurden geknüpft und alte Bekanntschaften wurden getroffen. Mein ThinkPad erhielt Coreboot und man konnte die Zeit zum Congress bestens bei Projekten, Talks und Tschunk verbringen.

Welcome to 36C3 – Aufbauleak

Seit Mitte des Jahres wohne ich nun in Paderborn und mit dem ACME Labs fand ich ein Hackspace, welcher durch den Code Of Conduct mir den Raum zur Verfügung stellt, im welchen ich nicht von schlechten ‘Nerd Pride’ und diskriminierenden Witzen, sowie Diskursen genervt werde. Damit habe ich ein neues Zuhause, eine neue Arbeit und endlich wieder ein Hackspace. Auch wenn alles sehr holprig war und mit viel Stress verbunden, bin ich mit der Entwicklung in meinem Leben zufrieden.

Nun stand der Congress vor der Tür und es mussten Vorbereitungen getroffen werden. Um die Haecksen in Ihrem vorhaben zu supporten, gestaltete ich die Sticker-Portraits von wichtigen Frauen aus dem MINT Bereich. Diese wurden auf dem Congress nicht nur bei den Haecksen, sondern auch an unserem Assembly und den Sticker-Excahnge stellen verteilt. Des weiteren half ich beim Bau eines Memorials. Passend zum Congress wurde wieder gebacken und Fairydust-Kekse, sowie Schoko und Apple Pie Cookies mitgenommen. Damit stand dem #36C3 nichts mehr im Weg.

Mittlerweile bin ich beim Drum & Bass Set der Haecksen Happy Hour angekommen und die ersten Fotos vom 36C3 wurden veröffentlicht. Die erste Wäscheladung ist fertig und die nächste ist in der Maschine. In der Küche köchelt das Wasser für mein Abendbrot und meine Mate wich einer Kanne Tee.

Inoffizielles Bar Operating Center Maskottchen

Am Tag -1 schlug ich zur späten Stunde auf und konnte noch etwas beim Aufbau helfen. Bereits an diesem Tag konnte ich alte Freunde und Bekannte treffen, welche man sonst nicht sieht. Dieser Moment der Freude, als introvertierte Person mit misanthropischer Einstellung, Wesen und Kreaturen zu treffen, welche man sonst über das Jahr nur über das Internet liest, ist so wundervoll das auch ich mich freue, unter Menschen zu kommen. Da mein Plan nicht aufging, beim eigentlichen Aufbau dabei zu sein, half ich seit Tag -1 noch bei vereinzelten aufbauten und den Assemblies, bevor ich Tag 1 ausschließlich damit verbracht habe Getränkepaletten zu ziehen. Nach so vielen Jahren war es das erste Mal, dass ich offiziell geengelt habe, sonst wurde ich immer nur irgendwie verplant oder war beim Abriss dabei. Das schöne hierbei war tatsächlich die Erfahrung, welche man machen konnte und Leute kennenzulernen.

Fairydust – Kekse

Abseits der verschiedenen Arbeitszeiten konnte ich aber auch mich kurz hinsetzen und mit FreundInnen sprechen. Diese Gespräche sind stark ausgeartet, was auch gut ist. Unter anderem ging es um Privilegien und weshalb Personen, welche sich als Frauen identifizieren, so gering in den IT Studienbereichen vertreten sind. Hierzu gab es sogar im Nachhinein ein Talk von Julia, welchen ich nicht auf dem Schirm hatte und auf welchen ich jetzt gerne hierbei verweise, da dieses Thema sehr wichtig ist und Julia dies besser ausformulierte, als ich es tat.

Was mich störte, war das ganze Gossip-Drama und die versuche mich mit einzubringen bzw. über jene zu reden, in welchen ich involviert bin. Manches ist geschehen und daran kann man nichts ändern. Ich habe da wenig Interesse mich weiter auseinander zu setzen, nur weil manche meinen, alte Geschichten auszupacken und weiter darauf rum zu reiten.

Des Weiteren könnte Fefe auch mal Weg.

Leider habe ich auch nicht alles geschafft, was ich schaffen wollte und habe so einiges verpasst. Na ja, das nächste Mal kann ich mich hoffentlich besser vorbereiten.

Weiterhin bin ich ein großer Freund, von der ÖPNV Nutzung mit dem Erwerb eines Tickets. So konnte ich mein Auto erneut auf dem Messegelände stehen lassen, mit welchen ich all das Zeug angeliefert habe und die Fahrt zwischen Ferienwohnung und Congress mit der Tram erledigen. Da ich endlich auch stationärer lebe und nicht durch die Weltgeschichte fahre, kann ich zum nächsten Congress, einfach alles anliefern lassen und gemütlich die Bahn nehmen. (Darauf freue ich mich tatsächlich sehr).

Ein großer Dank geht noch raus an Chaos-West, auf welcher Bühne großartige Talks stattfanden und sogar mein Feedback zum 35C3 Gehör gefunden hat. Damit wurde die Akustik in Halle 3 erträglicher. Im Ganzen war ich mehr als Zufrieden mit der Gestaltung des Congress, auch wenn nicht viel mitbekommen habe. Erneut habe ich es nicht geschafft, ein Workshop zu besuchen. Zumindest konnte ich mir dieses Jahr drei Talks anschauen (zum ersten mal, seit der Congress in Leipzig ist) und ein paar Tschunk gönnen.

Katzenörchen mit Blinken-LEDs

Auch wenn der diesjährige Congress, wegem dem Chaos Communication Camp, eine Aufwärmung des 35C3 war, so war dieser Congress was Besonderes für mich. Die Zeit mit Wesen die man sehr mag zu verbringen, alte Bekanntschaften zu treffen, die Arbeit als Engel, die Freude von Kreaturen über Sticker und Buttons, Wesen in der Anfasswelt zu treffen, gutes Essen in sich reinstopfen, zu tanzen und neues zu lernen.. Das alles macht den Congress immer wieder zu was besonderen.

Jetzt fängt die Post-Congress-Depression an. Diese wundervolle Zeit des Jahres ist vorbei und irgendwie fehlt etwas. Da bleibt nur zu sagen, geht in den für Euch besten Hackspace oder schafft welche. Seit politisch und schafft feministische Räume. Schaut jene Talks nach welche Ihr verpasst habt. Ihr habt noch genug Zeit Euch tolle Sachen zum 37C3 zu überlegen und in der Zwischenzeit:

Feierabend Mate in der Lounge

Bald ist wieder die Gulasch-Programmier-Nacht in Karlsruhe, davor geht es ‘back to the roots’ mit der Easter Hegg in Hamburg, dann folgt noch die Hackover in Hannover, sowie viele weitere Events.

Mir wird dieser Congress definitiv in Erinnerung bleiben. Mit allen Freuden, welche ich erlebt habe und allen Verletzungen, die ich beim Abbau erlitten habe. Ich danke dem großen C, dem Chaos West Team sowie jedem Assemblies, Teilnehmer und allen Engeln, welche den Congress zu was großartigen gemacht haben.

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